The Cathedral of Cusco / Die Kathedrale von Cusco

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Ich kann es mir nicht verkneifen diesen Artikel in Deutsch zu schreiben. Die Gedanken die ich über die Kathedrale in Cusco habe sind schon so lange in meinem Kopf – und nur auf Deutsch. Es ist eine Art Schreibblockade in Englisch die gerade bei mir aufgekommen ist.

Ein Ziel auf unsere Peru-Rundreise war die Stadt Cusco. Ein „must see“ laut jeder Reiseführer. Ich muss sagen, dass mir die Stadt auch am Besten von allen Peruanischen Städten gefallen hat. Es ist sehr, sehr touristisch ohne Zweifel! Man kann sich keine zwei Minuten auf der Plaza aufhalten, ohne dass die üblichen Strassenverkäufer mit alles mögliche angeflogen kommen. Einfach lästig! Ein Mitreisender aus unserer Gruppe, dem es an dem Tag nicht so gut ging, müsste sich für einiger Zeit auf einer Bank verweilen. Sein angeschlagener Zustand und die Tatsache, dass er sich kaum auf Spanisch währen könnte, wurde gleich von einem Schuhputzer ausgenutzt der danach 15 Soles – umgerechnet ca. 5 Euro dafür verlangte. 

Also kaum aufgewacht am ersten Morgen in Cusco sind wir zur Plaza de Armas gelatscht und haben als erstes die imposante Kathedrale angesteuert. Wir wollten sie nicht nur von Außen sondern auch von Innen sehen. Wir haben den teueren Eintritt bezahlt und sind reingegangen um dann mit Enttäuschung festzustellen dass man in der Kathedrale keine Bilder machen kann. Ich muss sagen wäre ich alleine unterwegs gewesen, würde ich mir den Besuch sparen, da mein religiöses Interessen so gut wie nicht vorhanden ist.

Die Kathedrale in Cusco

Die Kathedrale in Cusco

Also habe ich mich darin konzentriert die Details zu erkunden. Die Kathedrale ist ein lebendiger Beispiel dafür, mit welcher Gewalt die spanischen Eroberer es versucht haben, den Katholischen Glauben in den neu eroberten Gebieten in Südamerika zu etablieren. Unzählige Einzelheiten in dieser Kathedrale weisen darauf hin. Das Inkareich welches die Eroberer in Cusco vorgefunden haben war bedrohlich groß. Die Spanier haben also mit Absicht die Kathedrale auf dem Sonnentempel der Inkas errichtet als Zeichen für Ihre Überlegenheit. Für das Errichten dieses Kunstwerks haben sie gezielt Steine aus der benachbarten Inka Festung Sacsayhuaman entnommen und diese somit teilweise zerstört. Das errichten der Kathedrale war mühsam und hat mehrere Jahrzehnte gedauert. Das was die Spanier, im Unterschied zu den Inkas, nicht kannten war erdbebensicheres Bauen. Aus diesem Grund ist die Kathedrale auch schon mehrere Male eingestürzt und zuletzt sogar mit deutscher Hilfe saniert worden. Im Vergleich dazu sollte man die faszinierende Baukunst der Inkas betrachten, welche die Steinwände der Festung Sacsayhuaman zum Vorschein bringen. Die einzelnen Steine sind so perfekt aufeinander abgestimmt, dass keine Nadel dazwischen passen würde.

Sacsayhuaman Cusco

Sacsayhuaman Cusco

Sacsayhuaman

Sacsayhuaman – Steinmauer

Das Bauen haben die Eroberer irgendwie hingekriegt – das Schwierigste jedoch war den Einheimischen die neue Glaube schmackhaft zu machen. Dazu liessen sich die Spanier einiges eingefallen. Die ließen gezielt die Wahrzeichen der Inka-Kultur in die Altäre der Kirche einarbeiten – wie z.B. den Andenkondor. Es wurden einheimischen Künstler damit beauftragt religiösen Szenen durch Bilder zu veranschaulichen. Dabei wurde vieles neu interpretiert unter der Bezug von Südamerikanische Merkmale, wie z.B. die dunklere Haut der Einheimischen. Die Künstlerschule von Cusco und deren Werke sind nicht nur in Südamerika bekannt. Ein wichtiges Gemälde, welches von Künstlern dieser Schule gemalt worden ist, befindet sich ebenfalls in der Kathedrale. Es handelt sich dabei um das letzte Abendmahl bei dem deutlich zu erkennen ist, dass auf dem Teller vor Jesus ein frittiertes Meerschweinchen liegt und zum Trinken das Peruanische Chicha serviert wurde.

Die Kathedrale in Cusco

Die Kathedrale in Cusco

Mit Abstand das Witzigste und vielleicht das Interessanteste in der Kathedrale ist aber der Altar von dem San Antonio – überhäuft mit gefalteten Papierzettelchen. San Antonio ist ein Heiliger bei dem unverheirateten Frauen betten um einen ganz bestimmten Mann heiraten zu können. Dabei schreibt jede Frau der Name und die Adresse von ihrem Auserwählten und lässt es auf dem Altar. Was wohl mit den Zetteln passiert würde mich sehr interessieren. Witzigerweise drei Altäre Weiter ist der Heilige bei dem die Männer betten, wenn sie eine Frau nicht mehr haben wollen und von dieser Frau in Ruhe gelassen werden wollen.

In der Kathedrale kann ebenfalls der allerste Katholische Kreuz bewundert werden der Südamerika erreicht hat.

Plaza de Armas

Springbrunnen auf der Plaza de Armas

Alles in einem eine interessante Erfahrung auch wenn man nicht Katholisch ist. Wie man sieht kann man sowohl die Geschichte als auch die Einzelheiten der katholischen Glauben aufpolieren oder sagen wir’s besser – anpassen um bessere Überzeugungskraft bei den Gläubigen zu hinterlassen. Genau das, was auch die heutigen Werbeagenturen und Pressestellen gelegentlich betreiben, um die Masse zu beeindrucken. Man fragt sich dann wohl, wie viel von der heutigen Geschichte, die wir aus der Kirche kennen, schon manipuliert worden ist? Und wie viel davon stimmt noch überhaupt mit das was gewesen ist? Deswegen nennt man es auch Glaube. Und man kann zum Glück ja selber wählen woran man glaubt …

Woran glaubt ihr?

Mrs. Bräumelova

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